Abstract

Als Sachfotografie wird jener ohne scharfe Grenzen zwischen analytisch-wissenschaftlicher und reproduzierender Fotografie angesiedelte Bereich fotografischer Betätigung verstanden, in dem sich Aussagen über soziologische Inhalte mit der technischen Aufgabe schneiden, sie in visuelle Zeichen umzusetzen. Ihre Grundlagen und Arbeitsweisen sind bekannt und, weit in der Literatur verstreut, in allen Schwierigkeitsgraden aufgeschrieben worden. Aus diesem Wissen eine Hilfe für Ein- und Umsteiger zu erarbeiten, die es jenen ermöglicht, das Zustandekommen fotografischer Bilder durch viele Glieder der fotografischen Abbildungskette zu verfolgen, ist das Ziel dieser Arbeit.

Dazu wird eine Auswahl von Themen vorgelegt, die als Schwerpunkte der fotografischen Praxis gelten. Für alle Bildspeicher wird angenommen, dass sie die Momentfotografie zulassen und möglichst problemfrei in Geräte eingesetzt werden können, die die Grundbausteine einer fotografischen Kamera mitbringen: ein Objektiv mit veränderlicher Blende, einen mehr oder weniger regelbaren Verschluss und eine definierte Bildträgerebene. Auf in die Aufnahmetechnik eingreifenden, ausreichend bekannten Anforderungen, die chemischen wie elektronischen Bildträgern gemeinsam sind, wird fallweise eingegangen; die Arbeitsgeräte der digitalen Fotografie zu beschreiben wird nicht versucht.

Die Arbeitsblätter werden als PDF-Dateien angeboten, die einzeln abgerufen werden können. Jedes Thema ist in sich abgerundet, bezieht und beruft sich jedoch auch auf Begriffe und Sachverhalte, die in anderen Abschnitten vorgestellt worden sind. Redundanzen sind beabsichtigt. Zur Übersicht wird dem Ganzen ein Inhaltsverzeichnis und ein Gesamtverzeichnis der im größeren Umfang verwendeten Literatur vorangestellt.

Wie jeder, der sich auf Grundlagen einer Wissenschaft beruft, hänge ich in der Darstellung von gesichertem Wissen an den Rockschößen ausgewiesener Fachleute. Diese werden genannt. Zitate werden in den Text eingebunden, auf Fußnoten wird verzichtet. Die mehr oder weniger zufällige Auswahl meiner Quellen schließt jede Wertung nicht genannter Autoren oder nicht erwähnter technischer Möglichkeiten aus.

Wer ein komplexes Sachgebiet zu beschreiben versucht, wird irgendwo schludern. Wer über Grundlagen fotografischer Arbeit schreibt, schöpft aus Quellen, die auch der Redlichste nicht immer belegen kann. Dazu ist in der Fotografie der Bereich an Folklore zu groß. Zudem haben handwerkliche Fragen die Eigenheit, nur schmale Lösungsbereiche zuzulassen, die im Grunde jeder, der das nötige Fachwissen hat, selber zu finden imstande ist. Da ich gemachte Fehler auf niemanden abschieben kann, bleibt mir nur zu hoffen, weniger zum Amüsement des Lesers beizutragen, als ihn durch die Aufnahme praxiswichtiger Fragen, durch deren Zurückführen auf altbekannte Grundlagen und ihre Beantwortung von dort her – oder auch nur durch provokante Ansichten zum Thema zum Nachdenken über sein eigenes Schaffen anregen zu können.

Mehr zu tun ist nicht die Absicht.

Berlin im Frühjahr 2012,

Werner Fritzsche.